Auf dieser Seite wollen wir nach und nach Details zum Himmelblauen Zwerggecko zusammentragen. Angefangen haben wir bereits mit äußeren morphologischen Merkmalen. Wir wollen aber demnächst noch auf die Entwicklung und das Verhalten der Geckos detaillierter eingehen. Daher lohnt sich ein regelmäßiger Besuch :)

 

Morphologie des Lygodactylus williamsi

Äußere Merkmale      

Schwanzspitze

Vorderfuß

Der Himmelblaue Zwerggecko gehört zu den sogenannten Haftzehern, d.h. er hat spezielle Haftorgane an Füßen und der Schwanzspitze ausgebildet. Alle vier Füße des Geckos weisen fünf bekrallte Zehen auf, wobei die erste Zehe reduziert ist und nur die Zehen 2-4 mit parallel angeordneten Haftorganen ausgestattet sind. Zusätzlichen Halt erlangen die Tiere durch das Haftorgan an der Schwanzspitze. Daran ist auch ein regenerierter Schwanz zu erkennen. Denn der Himmelblaue Zwerggecko besitzt die Fähigkeit zur Schwanzregeneration. Allerdings wirft er seinen Schwanz nur bei starker Bedrohung ab, um seine Resourcen zu schonen - daher besteht keine Gefahr des Abwurfes bei vorsichtigem Umgang mit den Tieren. Sollte es dennoch einmal passieren, dass der Gecko seinen Schwanz abgeworfen hat, so wächst dieser in einigen Wochen wieder vollständig nach. Auch wenn dieser sich eventuell durch Form und Farbe ein wenig vom Rest des Körpers absetzen kann, ist das für das Tier kein Problem. Das Haftorgan an der Schwanzspitze wird auch regeneriert und kann wieder als Halteorgan einsetzt werden. Allerdings werden die Haftschuppen an der Schwanzspitze nicht in zwei Reihen geordnet regeneriert sondern sind beim Regenerat eher verstreut angeordnet.

Schanzregeneration A, blauer Schwanz von einem Männchen; B, bereits regenerierter grüner Schwanz eines Weibchens unter Blitzlicht; C, ohne Blitz und D-F, Regeneration des vorigen Schwanzes

Geschlechtsmerkmale

Unterseite eines adulten Weibchens

Die unterschiedliche Körperfarbe fällt als erstes deutliches Anzeichen auf. Während die geschlechtsreifen Männchen abhängig vom Licht in verschiedensten Blautönen erleuchten, sind die Weibchen eher durch olivgrüne bis braune Farbtöne getarnt. Auch die Jungtiere nehmen zunächst die Tarnfärbung der Weibchen an. Auf der Unterseite sind die Männchen leuchtend orange-gelb gefärbt, während die Weibchen dezenter gefärbt sind.

Doch darüber hinaus gibt es noch weitere geschlechtsspezifische Merkmale, die vor allem auf der Unterseite ausgeprägt sind. So weisen die Männchen eine dunkle Kehlfärbung, sowie eine verdickte Schwanzwurzel auf. Außerdem besitzen sie um die 7 Präanalporen im Beckenbereich eine weißliche Fläche. Die Präanalporen bilden ein kleines Dach zwischen den Hinterbeinen des Männchens, aber auch die Weibchen weisen eine ähnliche Dreiecksform auf, daher gilt dieses Merkmal allein nicht als ausreichendes Kriterium zur Geschlechtsbestimmung bzw. man muss genau auf die Schuppen in diesem Dach achten! Auch weisen unsere Weibchen eine leicht bläuliche Färbung auf, sowie eine recht dunkle Kehlfärbung. Man könnte ebenso eine leicht verdickte Schwanzwurzel erahnen... - es hilft also nur genaues Beobachten und Makroaufnahmen der Präanalporen.

Ab ca. 4 Monaten beginnen sich unsere Tiere ins Bläuliche zu färben, zunächst entlang der Extremitäten und an der seitlichen Bauchseite. Während unsere Männchen allerdings mit etwa 5 Monaten bereits nahezu vollständig umgefärbt sind und auch die typische weißliche Fläche im Becken aufweisen (mit bloßem Auge zu erkennen), bleiben die Weibchen eher grün-oliv bis bräunlich am Rücken. Bei gemischter Haltung, ist jetzt bereits beginnendes Paarungsverhalten zu sehen (eindeutige Versuche der jungen Männchen; Bussis für die Mädels, die daraufhin mit Schwanzwedeln reagieren und Drohverhalten bis hin zum Kampf gegenüber anderen Männchen), die die Weibchen aber gut abzuwehren wissen :) Mit ca. 7 Monaten hat eines unserer jungen Weibchen Wachseier gelegt.

Unterseite eines adulten Männchens

Präanalporen im Vergleich. Männchen (blau) mit 7 dunklen drüsigen Punkten im "Dach" und weißlicher Zone bis hin zu den Schenkeln. Weibchen (rot) "Dach" ohne Drüsen. Alter der Tiere etwa 5 Monate.

Entwicklung

Eiablage

Weibchen beim Probelegen

Alle drei Wochen legt unser Weibchen zwei normalerweise aneinandergeklebte Eier, ein sogenanntes Doppelei, ab. Dieses Gelege kann an diversen Plätzen im Terrarium "gefunden" werden (z.B. bevorzugt unser Weibchen den Spalt zwischen Rückwand und Gazedeckel, aber auch an der Rückwand selbst oder an der Scheibe wurden schon Eier entdeckt). Dabei sucht das Weibchen den auserkorenen Legeplatz bereits am Vortag auf, um alle Schritte des Legens zu üben. Nähert sich dabei das Männchen, kann es schon mal vorkommen, dass sie ihm einen ordentlichen "Korb" verpasst. Nach durchschnittlich 69 Tagen schlüpft der Erste der beiden Junggeckos und der Zweite folgt etwa 2 Tage später. Der kürzeste Legeabstand betrug bei uns nur 15 Tage, wobei die Jungtierentwicklung zwischen 60 und 88 Tagen schwankte (Mittelwerte mit Standartabweichung siehe Diagramm). Letzteres scheint von der Temperatur im Terrarium abzuhängen. Es wird vermutet, dass sich bei höheren Temperaturen verstärkt Männchen entwickeln würden - da unsere Zeitigungszeit recht kurz erscheint und die ersten Jungtiere auch durchweg männlich waren, schließen wir daraus, dass unsere derzeitige Temperatur für die Entwicklung von Weibchen nicht sonderlich förderlich ist. Im oberen Bereich schwankt die Temperatur im vorderen Bereich von 26-28°C, wobei die Rückwand allerdings direkt unter der Beleuchtung z.Z. (Sommer) ca. 30°C misst. Vermutlich zu warm für die Entwicklung von Weibchen, die sich erst bei niedrigeren Temperaturen differenzieren sollen - falls die Geschlechtsbestimmung tatsächlich durch Temperaturen beeinflussbar ist. Die erneute Paarung der Tiere findet besonders häufig nach erfolgter Eiablage statt. Das trächtige Weibchen ist anhand der leicht versetzten Rundungen am Bauch zu erkennen, weil ein Ei mehr kopfwärts und das andere eher schwanzwärts zu liegen kommt. Wann das Weibchen legt? Darauf erhielt ich selbst einmal die Antwort: "Wenn sie so dick ist, dass sie bald platzen möge - dann ist es in den nächsten Tagen soweit!"

 

Schlupfstatistik nach 15 Gelegen (= 30 Eier, davon 8 noch ungeschlüpft)

Schlupf

Den Schlupf konnten wir zwar anhand unserer Statistik bisher gut voraussagen, oft sogar auf den Tag genau - doch leider gelang es uns bisher nur ein einziges Mal den Schlupf auch tatsächlich zu beobachten und sogar zu filmen.

 

Schlupf eines Jungtieres

 

Ein frisch geschlüpftes Jungtier

Wenige Stunden alter Schlüpfling. Es sind noch ein Häutungsrest an der Schnauze und der geknickte Schwanz zu erkennen. Etwa so groß wie die Erdkugel auf dem 1 Cent-Stück - so klein musste sich der Winzling zusammenrollen, um in das Ei zu passen, aus dem er soeben geschlüpft ist.

Nach dem Schlupf sind die kleinen Geckos sofort selbstständig und sehen wie Miniaturvarianten der Mutter aus. Sie messen vom Kopf bis zur Schwanzspitze keine 3 cm, sind aber sofort flink und agil und auf sich allein gestellt. Bei den ersten zehn Schlüpflingen hatten wir noch das große Glück, dass wir sie im Elternterrarium belassen konnten, denn die Eltern hatten ihnen nicht nachgestellt. Stattdessen entwickelte sich eine Rangordnung und solange genügend Futter (kleinste Futtertiere, wie Microheimchen oder Drosophilas und Babybrei) vorhanden war, konnten sich auch alle gut entwickeln.

Wir siedelten die Jungtiere wegen der hohen Tierbesatzdichte dennoch in ein zweites baugleiches Terrarium um. Seit dem werden leider die neuen Jungtiere von ihren Eltern attackiert. Es gelang uns jeweils nur den ersten der beiden Zwillinge zu bergen. Es empfiehlt sich daher - sofern möglich - die Gelege mit Gaze zu versehen oder dem Weibchen geeignete Legeplätze anzubieten, die dann mitsamt Eiern entfernt werden können. Dies bietet auch den Vorteil der direkten Einflussnahme auf die Zeitigungsparameter. Doch bisher hat unser Weibchen unsere "künstlichen" Legeplätze nur selten akzeptiert. Geeignet dafür sind metallene Profilschienen oder kurze Bambusröhren. Auch Gipseier scheinen das Weibchen anzulocken, weil auch in der Natur gern Gelege dort platziert werden, wo ein anderes Weibchen bereits gelegt hat.

Wenn die jungen Weibchen adult werden, legen sie als erstes Wachseier. Dies dient vermutlich dazu, ihre Eierstöcke in Gang zu bringen und das ganze Prozedere des Legens zu üben. Das Wachsei erscheint unförmiger als ein echtes Gelege-Ei und die Schale wirkt wie noch flüssiger Gips. Wir versuchten uns einmal damit Gipsei-Attrappen zu formen - die sahen genau wie dieses Wachsei aus! Bereits nach kurzer Zeit beginnt das Weibchen ihr Wachsei wieder aufzufressen.

Junges Weibchen mit Wachsei, welches wieder aufgefressen wird.

Unsere Jungweibchen färben sich ab ca. 4 Monaten genau wie die Männchen zunächst bläulich und sehen äußerlich beinahe "haargleich" aus. In den nächsten Wochen bilden sich dann aber doch auch äußerliche Geschlechtsunterschiede aus. Die Präanalporen der Männchen (wie oben auf einem Schaubild zu sehen) sind etwa ab 4 1/2 Monaten zu erkennen. Mit 5 Monaten erscheinen Männchen deutlich blau, wohingegen die Weibchen wieder verstärkt grünlich-braun werden.

Verhalten

Drohverhalten

Im Terrarium gibt es eine klar geregelte Rangordnung - wobei normalerweise das Männchen das dominante Tier sein soll. Doch bei uns scheint sie eher der "Hausdrachen" zu sein, der klar die "Hosen" an hat! Daher empfehlen wir auch unbedingt die paarweise Haltung (1.1) anstelle von mehreren Weibchen zusammen mit nur einem Männchen. Auch Weibchen untereinander sollen sehr aggressiv sein, wobei daher ein extrem großes Terrarium für eine Gruppenhaltung zur Verfügung stehen sollte. Im täglichen Verhalten scheinen sich die beiden eher wenig Beachtung zu schenken, aber das täuscht! Denn sie wissen meist wo sich der Partner aufhält und beobachten diesen regelmäßig mit Blicken. Gelegentlich ist daraufhin auch ein erwiderndes Kopfnicken des Männchens zu sehen oder er bläst seinen Kehlsack auf, um ihr zu imponieren. Manchmal laufen die beiden anschließend auf einander zu (oder meist kommt das Männchen zum Weibchen) und es gibt ein "Küsschen" - das dient wohl dazu zu signalisieren: "ich bin es".

Diese Rangordnung bildet sich auch unter den Jungtieren aus, wobei stets eine Abfolge gemäß des Alters eingehalten wird. Das Drohverhalten, welches ausgeübt wird um einem anderen zu imponieren - ist angeboren, denn wir konnten bereits einen frisch geschlüften Gecko beobachten, wie er seinem Vater drohte. Es ist gekennzeichnet durch Aufblasen den Kehlsackes und ruckiges seitliches Hin- und Herbewegen des Kopfes. Es kann noch durch "Aufbäumen", d.h. dem Aufstellen des Körpers, gesteigert werden. Meist ergreift der Rangniedere daraufhin die Flucht, aber gelegentlich werden auch kleine Revierkämpfe ausgetragen, die ab und zu unter den Jungtieren zu beobachten sind. Wobei es allerdings bisher nicht zu Verletzungen kam.

 

Häutung

In regelmäßigen Abständen müssen Geckos ihre alte Haut abstreifen und durch eine sich darunter bereits entwickelte neue Haut ersetzen. Da die Häutung normalerweise binnen weniger Minuten abläuft kann sie nur selten beobachtet werden. Aber sie kündigt sich durch einige mehr oder weniger sichtbare Anzeichen an. Zuerst wird der betreffende Gecko eher blass und seine Farbe ist nicht mehr so leuchtend, er hält sich auch meist abgesondert von den anderen Geckos auf (bei den Jungtieren zu beobachten). Als zweites Merkmal verfärbt sich seine alte Haut weißlich und manchmal sind auch schon Blasen zu sehen - das sieht dann in etwa so aus, als wenn wir uns z.B. am Fuß eine Blase gelaufen haben! Spätestens dann steht die Häutung sehr kurz bevor! Zuerst reibt der Gecko seinen Kopf an einem geeigneten Untergrund oder Gegenstand und die alte Haut reißt an der Schnauze auf und wird wie eine Kapuze über den Kopf in den Nacken gestellt. Daraufhin löst sie sich auch meist schon von allein von der Unterseite des Kopfes ab, und der Gecko kriecht an Ästen umher, um die alte Haut weiter schwanzwärts zu schieben, damit er die Hülle mit der Schnauze fassen und weiter abziehen kann. Dann packt er die Haut an den Extremitäten und auch am Schwanz und zieht diese wie eine Strumpfhose ab, wobei sich die alte Hülle umkrempelt. Dabei frisst er jedes noch so kleine Hautstück auf und es ist auch zu beobachten, dass die Geckos sich gegenseitig die alte Haut abluchsen, um an die darin enthaltenen Nährstoffe zu gelangen.

Unterschiedliche Stadien der Häutung eines Jungtieres

Der ganze Vorgang dauert maximal 20 min und ist normalerweise nur an der blassen Körperfarbe zu sehen, die anschließend wie neu aussieht - quasi wie frisch "aus dem Ei gepellt". Bei optimalen Klimabedingungen sind auch keine Hautreste, bis auf vielleicht winzige Fetzen zu sehen. Sollten einmal größere Hautreste besonders um die Extremitäten zu beobachten sein, sollte der betreffende Gecko separiert werden und zum Beispiel in eine mit feuchtem Küchenpapier ausgelegte Heimchenbox gesetzt werden, damit die alte Haut aufweichen und sich der Gecko selbst helfen kann oder notfalls mit einer Pinzette vorsichtig die alten Hautfetzen entfernt werden können. Bisher verlief bei uns jedoch alles reibungslos!

 

Häutung Jungtier, gekürzt (insgesamt 20 min)

Paarung

Das Paarungsverhalten kündigt sich meist durch das Annähern des Männchens an das Weibchen an, wobei es heftigst mit dem Kopf nickt und sich ruckartig auf das Weibchen zu bewegt. Ist sie "willig", dann lässt sie das Männchen an sich heran und es gibt meist zunächst ein Küsschen. Daraufhin klettert das Männchen hinter das Weibchen, welches einen Buckel macht und auch gelegentlich durch Hin- und Herbewegen des gesamten Schwanzes dem Männchen ihre Bereitschaft signalisiert (und was machen unsere beiden gerade jetzt, da ich diesen Text verfasse?? ja, genau, sie paaren sich....) Daraufhin klettert das Männchen von hinten auf das Weibchen, welches gewöhnlich dabei ersteinmal nach vorn wegläuft, um ihn zu animieren ihr zu Folgen. Schwanzwedeln und Buckeln des Weibchen wechseln sich daraufhin ein paar mal mit Besteigungsversuchen des Männchens und dessen ihr-Folgen ab. Es kann ein wenig Zeit vergehen, bis endlich alles gepasst hat und auch ein geeigneter Paarungsplatz auserkoren wurde - immerhin muss das Weibchen ab jetzt eine gute halbe Stunde ihr Männchen auf dem Rücken "erdulden" und auch ein wenig herumtragen. Das Männchen packt das Weibchen dabei auch noch am Nacken, der sogenannte Nackenbiss. Wenn er eine festen Halt auf ihr gefunden hat, beginnt er seinen Schwanz von einer Seite unter ihren Schwanz zu schieben, um einen seiner beiden Hemipenes in ihre Kloake einzuführen. Die Paarung dauert bei uns gewöhnlich länger als eine halbe Stunde, kann aber auch bis zu 45 Minuten andauern. Während der Paarung kann das Weibchen ein wenig umherlaufen und somit ihr Männchen "Huckepack" tragen.

Paarung mit Nackenbiss

Das Männchen färbt sich während der Paarung ziemlich schnell dunkel bis fast scharz, während das Weibchen "alles" relativ unbeindruckt über sich zu ergehen lassen scheint. Das Ende wird meist durch Bewegung des Weibchen, zum Beispiel durch Schwanzbewegung, eingeleitet oder das Männchen klettert einfach von ihrem Rücken. Anschließend lecken beide ihren Kloakalbereich. Gelegentlich trägt das Weibchen durch den Nackenbiss eine oberflächige "Abschürfung" davon, welche aber nach der nächsten Häutung wieder verschwunden ist. Es können mehrere Paarungen nach der Eiablage beobachtet werden.

Jagdverhalten

 

 

 +++ A K T U E L L E S +++

Folgende Tiere suchen ein neues Zuhause:

1.0 geb. 12.08.2015

0.1 geb. 22.06.2017

Papiere sind vorhanden!

Bitte nur Selbstabholer.

(Info: beide Tiere sind verwandt; Vater und Tochter)


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